Einsendung an die AG Wohnen der LAK Berlin von Studierenden, die von Wohnungsnot betroffen sind:

Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich einen Monat lang bei einer Freundin auf dem Boden, anschließend für einen Monat bei Freunden meiner Eltern, dann einen Monat schwarz ein Zimmer in einer 4-Zimmer Wohnung, in der nur zwei vermietet werden durften und anschließend einen Monat in einem echt hässlichen Wohnheim in Ruhleben gewohnt. Keines der Zimmer war zentral, keins davon wirklich günstig und in keinem davon konnte ich mich wirklich ausbreiten und wohl fühlen. Die Bemühungen, gemeinsam mit Freund*innen eine bezahlbare Wohnung anzumieten waren ermüdend, zeitraubend und letzten Endes fruchtlos. Wir hatten nicht das Gefühl, uns so präsentieren zu können wie wir sind, sondern dass wir uns als besonders vertrauenswürdige Spießer darstellen müssen, um eine Wohnung zu bekommen. In mindestens einem Fall haben wir eine Wohnung nicht bekommen, weil einer unserer Mitmieter ein Geflüchteter aus dem Irak war. Als der Besitzer das erfahren hat, hat er uns trotz mündlicher Zusage vier Tage vor Einzugsdatum abgesagt. Mittlerweile wohne ich in einem Plattenbau am Stadtrand. Wirklich zufrieden mit der Lage bin ich selbstverständlich nicht. Bloß erleichtert, dass ich nicht mehr neben dem Studium nach Wohnungen suchen muss, um nicht obdachlos zu werden.

anonym, 21 Jahre alt, studiert seit 1,5 Jahren in Berlin (Wise18/19)