Studentische Wohnungsnot & die wohnpolitische Kampagne der LAK

Die LandesAStenKonferenz (LAK) Berlin arbeitet seit einiger Zeit intensiver zur studentischen Wohnungsnot und hat im April eine wohnpolitische Kampagne begonnen. Damit reagieren die Berliner Asten auf die für Studierende untragbaren Mieten auf dem Wohnungsmarkt, auf den 95% der 180.000 Studierende in Berlin angewiesen sind. Auch beteiligt sich die LandesAStenKonferenz an der #Mietenwahnsinn-Demo am 14. April 2018.

um der akuten Wohnungslosigkeit von Studierenden zum Semesterstart vorzubeugen forderten die Berliner Asten im Wintersemester 2017/18 den Senat auf, Notunterkünfte für Studierende bereitzstellen. Gleichzeitig stellen Notunterkünfte keine Lösungen dar - nicht allein weil die Mehrheit der Studierendne von explodierenden Mieten btroffen sind, sondern auch, da Notunterkünfte einen niedrigeren Wohnstandard normalisieren.
Studierende arbeiten häufiger und mehr um ihre Miete zu finanzieren. Dabei fehlt es zum Teil an Raum zum lernen, was auch die überfüllten Bibliotheken bezeugen. Neben dem Raummangel und der finanziellen Belastung ist auch die Entfernung zum Studienort ein Problem. 7% der Studierenden wohnen mittlerweile in entfernten Randbezirken, 59% außerhalb der Ringbahn. Abgesehen von langen Pendelzeiten ist das Wohnen in Randbezirken für Familien sicherlich attraktiv - für alleinstehende Studierende kann dies jedoch die Vereinzelung und Anonymität im Studium verstärken. Insgesamt wirkt sich der Immobilienmarkt in mehrfacher Hinsicht negativ auf die Lebensqualität von Studierende aus. Dabei ist nicht auzuschließen, dass auch die steigende Rate an psychischen Erkrankungen, die höher ist als der Durchschnitt in der Altersklasse, auf die Gesamtbelastung zurückzuführen ist.

Die Situation ist insgesamt so prekär, dass weder Notunterkünfte für Studierende noch die sich in Planung befindlichen 5.000 Wohnheimplätze zukunftsweisen sind. Selbst mit den noch ungebauten Wohnheimplätzen bleiben etwa 90%, dass sind etwa 170.000 Studierende, auf den privaten Wohnungsmarkt angewiesen. Der durchschnittliche Preis für neuvermietete WG-Zimmer lag im Jahr 2017 bei 424€ monatlich. 2016 waren es noch 407€. Studentische Beschäftigte verdienen mit einem normalen SHK Job 450€ im Monat, wobei viele Studierende unter schlechteren Bedingungen als des TV-Stud arbeiten.

Aufgrund dessen fokussiert sich die wohnpolitische Kampagne der LAK auf die Entwicklung eines längerfristigen Lösungsansatzes. Hierbei sieht die LAK die Einschränkung des privaten Immobilienmarkts als zentral, da dieser Maximalprofite auf Kosten der Lebensqualität von Studierenden macht. Dabei stellen nicht allein Baugenehmigungen für Luxus-Appartments im Namen von Studierenden ein Problem dar, sondern auch das spekulative Handeln der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Derzeit baut die landeseigene berlinovo Wohnheimplätze über dem Bafög-Wohnsatz. Ein höherer Bafög-Satz für Studierende hätte die Folge, dass mehr Gelder vom Bund in den Berliner Immobilienmarkt fließen. Für die 87% der Studierenden die kein Bafög erhalten bedeutet dies steigende Mieten. Das ist keine Wohnungspolitik im Interesse der Studierenden. Die LAK sieht einen radikalen Kurswechsel als notwendig, um den privaten Wohnungsmarkt daran zu hindern, Verarmung und Wohnungslosigkeit weiter voran zu treiben. Öffentliche Gelder dürfen nicht weiter in den privaten Immobilienmarkt fließen und öffentliche Träger sollen sich nicht an der Immobilienspekulation beteiligen dürfen. Stattdessen muss Wohneigentum in öffentliche Hand geholt werden durch Enteignung und Rekommunalisierung. Der Immobilienmarkt muss durch Steuern und Verbote zurückgedrängt und ein öffentlicher, nicht profit-orientierter Wohnungsmarkt ausgebaut werden. Wir wollen Eigentum in der Hand des StudierendenWerks sehen, kontrolliert durch einen Verwaltungsrat in dem auch Studierende vertreten sind. Mit der Forderung schließt sich die LAK Forderungen an, die seit längerem von der wohnpolitischen Bewegung der Stadt geäußert werden und trägt zu einem spezifischen Blickwinkel aus studentischer Perspektive bei. Die Grundversorgung der Studierenden sollte Priorität der Berliner Hochschulpolitik werden.

Kontakt: wohnen@lak-berlin.de

Presseschau

Zahlen & Fakten

Kosten & Einkommen:

  • Durchschnittliche Warmmiete für WG-Zimmer auf dem privaten Wohnungsmarkt: 410€¹ (Stand 2018)
  • Durchschnittliche Warmmiete in einem Wohnheim: 220€² (Stand 2017)
  • Bafög-Wohnsatz: 250€
  • Durschnittliches Einkommen von Studierenden in Berlin: 1050€³ (Stand 2016)

Zahlen zu Wohnheimen:

  • Wohnheimplätze: 9.399 Plätze in Berlin²
  • Wartezeiten: abhängig von der Lage und Attraktivität des Wohnheims zwischen einigen Wochen bis zu mehr als drei Semester²
  • Warteliste: 4.500 wartende Studierende²
  • Entwicklung: 31.12.2006 - 10.479 Plätze in 41 Wohnheimen / 31.12.2016: 9.399 Plätze in 33 Wohnheimen ²

Wohnheimplätze im Bau/ Geplante Plätze:

  • 136 Wohnheimplätze durch das StudierendenWERK Berlin²
  • 5.000 Wohnheimplätze durch Berlinovo, wobei die die Zimmervergabe nicht gebunden ist an die Immatrikulation an einer Berliner Hochschule³

Quellenangaben:
1) Empirica Institut: www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsmangel-in-uni-staedten-nicht-nur-in-berlin-werden-wg-zimmer-immer-teurer/20434128.html
2) Zahlen vom Studierendenwerk Berlin bezogen auf Wohnheimplätze in Berlin (Stand: 19.09.2017)
3) 21. Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks (2016)